Baumpatenschaftsaktion der önj-Kasten
Im Rahmen des Projektes "Die Streuobstwiese - ein gefährdeter Kulturlandschaftstyp?" veranstaltete die önj-Kasten im Mai 1996 eine Baumpatenschaftsaktion, bei der an die Bevölkerung der umliegenden Orte gratis Obstbäume verteilt wurden. Die Obstbäume stammten von Ernst Junger, einem Baumschulbesitzer aus Dorf an der Pram, der sich auf die Aufzucht von alten Obstsorten auf Hochstämmen spezialisiert hat.
Ziel der Aktion war es, auf die Vielfalt an unterschiedlichen Obstsorten hinzuweisen und einen kleinen Teil davon in den Obstgärten der Umgebung wieder anzusiedeln.
Im Sommer 2000 wurde im Rahmen eines Ferialjobs eine erste Erhebung der Obstbäume durchgeführt. Diese Aufnahme enthält nur einige grundlegende Daten über die gepflanzten Bäume, deren Auswertung sich im Anschluß findet.
Dabei entstand die Idee einen standardisierten, umfangreicheren Aufnahmebogen zu entwerfen, mit dem die gepflanzten Bäume in regelmäßigen Abständen (3-4 Jahre) kartiert werden. Da die Daten immer im gleichen Modus aufgenommen werden, lassen sie sich gut untereinander vergleichen und können wichtige Informationen für weitere Baumpflanzungen in der Zukunft liefern.
Das Ziel dieses "Obstbaummonitorings" ist es herausfinden:
welche Sorten sich in unserer Gegend gut bzw. weniger gut entwickeln,
welche Probleme bei den einzelnen Sorten auftreten,
wie hoch die Widerstandsfähigkeit gegenüber Krankheiten und Schädlingen ist,
welche Auswirkungen unterschiedliche Pflege- und Schnittmaßnahmen auf die Bäume haben.
Auswertungsergebnisse der Obstbaumerhebung im Sommer 2000
Im Mai 1996 wurden von der önj-Kasten an 23 Baumpaten insgesamt 78 Bäume verteilt.
55% dieser Bäume stehen im Gemeindegebiet von St. Peter und sind auf 11 Personen aufgeteilt. In Haslach finden sich 35% der Bäume (9 Personen), in Neufelden 4% (1 Person), in Ahorn und Arnreit jeweils 3% (1 Person).
Der weitaus größte Teil der Bäume steht in Obstgärten oder auf Obstwiesen.
Zwei Birnbäume stehen in einem Beeren-garten und zwei weitere als Spalierbäume an einer Hauswand.
Diese 78 verteilten Bäume setzen sich aus 57 Apfel- und 14 Birnbäumen zusammen.
Sortenverteilung
Die Sortenauswahl wurde von Hr. Junger getroffen, der eine bunte Mischung aus Tafel- und Wirtschaftsobst, Früh-, Herbst-, Wintersorten und aus hauptsächlich älteren, aber auch einigen neueren Sorten zusammengestellt hat.
Bei den Apfelbäumen wurden 21 unterschiedliche Sorten erhoben. Von 15 Bäumen konnten die Besitzer die Namen leider nicht mehr nennen.
Überblick über die Apfelsorten
Sortenname | Anzahl | Sortenname | Anzahl |
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Gravensteiner | 6 | Limoniapfel | 2 |
Wintergravensteiner | 6 | Himbeerapfel von Holowaus | 2 |
Plankenapfel | 4 | Discovery | 1 |
Weißapfel | 4 | Roter Eiserapfel | 1 |
Weißrenette | 4 | Brünnerling | 1 |
Herbstapfel | 3 | Belle fleur | 1 |
Juniblütler | 3 | Weißschusterapfel | 1 |
Malerapfel | 2 | Mostapfel | 1 |
Sepperlapfel | 2 | Lederrenette | 1 |
Schöner von Wiltshire | 2 | Faßlapfel | 1 |
Ertragssituation
Generell ist anzumerken, daß Hochstammobstbäume auf Sämlingsunterlagen erst ab dem achten bis fünfzehnten Standjahr mit dem regelmäßigen Ertrag beginnen und die volle Ertragskraft oft erst im zwanzigsten oder dreißigsten Standjahr erzielen. Bäume mit mittelstarken oder schwachen Unterlagen kommen früher in die Ertragsphase haben aber dafür eine kürzere Lebensdauer. In den ersten Jahren nach der Pflanzung ist es die vorrangige Aufgabe des Baumes seine Kraft in die Ausbildung einer starken Krone zu investieren, die Fruchtproduktion ist noch untergeordnet.
Trotzdem haben 35 unserer gepflanzten Bäume (27 Apfel-, 8 Birnbäume) bereits einmal getragen, die Fruchtanzahl war natürlich noch eher gering.
Sorten die noch nicht getragen haben sind:
Herbst-, Faßl-, Limoniapfel, Juni-blütler, Gravensteiner, Brünnerling, Belle fleur;
Blut-, Honigbirne, Bosc`s Flaschen-birne, Gellerts Butterbirne
Baumschäden
52 Bäume weisen laut Besitzer keine erkennbaren Schäden auf.
Bei elf Bäumen wurde auf den Blättern Gitterrost festgestellt, davon sind zehn Birnbäume betroffen (das sind 71% aller gepflanzten Birnbäume).
Die Rindenverletzungen wurden durch Beweidung und Bautätigkeiten verursacht.
Für die Wurzelschäden an den zwei Apfelbäumen sind Wühlmäuse verantwortlich.
Sieben Apfelbäume haben die ersten vier Jahre nach der Pflanzung nicht überstanden.
Dies waren folgende Sorten: Weißrenette (2 Bäume), Himbeer-, Limoni-, Herbst-, Plankenapfel, Juniblütler. Der Grund des Absterbens ist nur bei einer Weißrenette bekannt nämlich durch Weideschäden.
Birnengitterrost:
Da über 70% der Birnbäume vom Gitterrost befallen sind eine kurze Beschreibung dieser Krankheit. (vgl.: Persen, U., et al,: Krankheiten, Schädlinge und Nützlinge im Obstbau, Verlag Jugend & Volk Ges.m.b.H., Wien, 1996.)
Die Erreger des Birnenrostes sind wirtswechselnde Rostpilze.
Krankheitsbild: Entstehung von dunkelgelb bis leuchtend orange gefärbten, klebrigen Blattflecken, auf denen kleine schwarze Wärzchen wachsen. Auf der Blattunterseite bilden sich im Sommer braune knorpelige Gebilde auf denen Gruppen von weißen, zarten "Gitterkörbchen" stehen.
Bedeutung: Rostflecken sind eher ein "optisches Problem". Nur bei ganz starkem Auftreten kann der Baum durch Laubverlust und Assimilationsdefizite geschwächt werden. Die Gefahr der Ansteckung nimmt mit der Entfernung zwischen den beiden Wirtspflanzen ab.
Entwicklung: Aus infizierten Wacholdertrieben brechen im Frühjahr Sporenlager hervor. Von dort aus werden junge Birnblätter befallen, auf denen nach 13-17 Tagen kleine Wärzchen entstehen. Nach vier Monaten bilden sich an der Blattunterseite sogenannte Aecidien (=weiße Gitterkörbchen) die ebenfalls Sporen bilden und nun wiederum den Wacholder infizieren.
Für einen Infektionszyklus sind beide Wirtspflanzen nötig, wenn einer der beiden Wirte entfernt wird kommt die Krankheit zum Erlöschen (Birnbäume untereinander können sich normalerweise nicht anstecken!).





