7. unterkagerer sunnseitn - Gespräche

(in Zusammenhang mit 14. unterkagerer sunnseitn)

„Mühlkreisbahn mit ZU(G)KUNFT!“

DI Dr. Harald Frey, Technische Universität  Wien, Verkehrsexperte:

Verkehrspolitiker und Verwaltung scheinen in Österreich die internationale Entwicklung verschlafen zu haben, wenn sie die Bahn im ländlichen Gebiet und als Zubringer in die Städte durch Busse ersetzen will.
Während in der Schweiz und in Südtirol beispielsweise den Bahnverbindungen im ländlichen Raum ein wesentlicher, hoher Stellenwert, sowohl für Pendler, als auch für touristische und wirtschaftliche Zwecke, beigemessen wird, werden in Österreich Milliarden in den Straßenbau investiert. Eine Form der Mobilität, deren Erhaltung und deren Folgen die Gemeinden und Länder in Zukunft vor enorme finanzielle Probleme stellen wird. Zersiedelung, Abwanderung in die Stadtregionen, CO2-Austoß, Verkehrsunfälle, Lärm und Abgase verursachen Kosten, die heute in unverantwortbarer Art und Weise als Schulden getarnt und aufgrund kurzsichtiger Bequemlichkeit unseren Kindern und nachfolgenden Generationen aufgeladen werden.

 

Unter diesen Voraussetzungen gilt es die Mühlkreisbahn nicht nur zu erhalten, sondern zu attraktivieren, wie durch Modernisierung der Haltestellen und Bahnhöfen und Verknüpfung mit anderen Verkehrsmittel, einem modernen Informations- und Leitsystem, Abstimmung mit den touristischen Anforderungen, Sanierung von Langsamfahrstrecken und dergleichen.
Entscheidungsträger, die heute noch so genannte "Verkehrslösungen" im Fahrbahnbau sehen und suchen werden bald wie bei Hans Christian Andersens Märchen "Des Kaisers neue Kleider" enttarnt und nackt vor der Bevölkerung stehen“.


Mag. Johannes Knipp,  Büro LR Dr. Kepplinger:
„Die Mühlkreisbahn ist eine wichtige Verkehrsverbindung für das Obere Mühlviertel. In den Planungen des Landes für den Öffentlichen Verkehr wird an einer Schienenverbindung festgehalten. Damit die Bahn benützt wird, muss sie deutlich schneller werden. Ein technisches Büro ermittelt gerade, welche Investitionen in die Strecke und in die Fahrzeuge notwendig sind, um die gewünschte Beschleunigung zu erreichen. “

DI Martin Blum,  Verkehrsexperte VCÖ:
„Für die kommenden Jahre wird  mit einem deutlichen Anstieg der Erdölpreise gerechnet. Umso wichtiger ist es, dass der Bevölkerung eine gute Alternative zur Verfügung steht. Das Ziel muss deshalb lauten, die Mühlkreisbahn zu modernisieren und die Fahrzeit Linz nach Rohrbach auf eine Stunde zu reduzieren.“

Mühlkreisbahn modernisieren und beschleunigen statt einstellen!

Die Einstellung der Mühlkreisbahn hätte negative Folgen für die Region. Busse können den Bahnverkehr ergänzen, aber nicht ersetzen. Erfahrungen zeigen, dass nach Einstellung von Bahnlinien die ehemaligen Fahrgäste viel stärker auf das Auto als auf den Bus umsteigen. Der VCÖ fordert eine Modernisierung und Beschleunigung der Mühlkreisbahn und weist auf zahlreiche Beispiele erfolgreicher Regionalbahnen hin.

Die Bahn wird von Fahrgästen als attraktiver wahr genommen als der Bus. Die Erfahrungen der Vergangenheit zeigen: Überall dort, wo eine Bahn eingestellt und durch einen Bus ersetzt wurde, stiegen mehr Fahrgäste auf das Auto als auf den Bus um. Die Fahrgäste schätzen die Bewegungsfreiheit im Zug, die ruhigere Fahrt, die Möglichkeit zu arbeiten. Und im Zug gibt es in der Regel eine Toilette. Zudem rufe ich in Erinnerung, dass Nebenbahnen auch zum Gütertransport genutzt werden können.

Dass Regionalbahnen florieren können, beweisen Beispiele aus dem In- und Ausland.  So wurde die Pinzgauer Lokalbahn im Jahr 2008 modernisiert und vom Land Salzburg übernommen. Ein Jahr danach ist die Zahl der Fahrgäste bereits um 40 Prozent (!) gestiegen. Auf der Montafoner Bahn – eine kleine Regionalbahn in Vorarlberg - fahren die Züge im Halbstunden- bzw. Stundentakt. Pro Jahr zählt die Montafoner Bahn 1,3 Millionen Fahrgäste.  Auch die Zillertalbahn in Tirol erreichte nach der Modernisierung einen starken Fahrgast-Zuwachs. Für die kommenden Jahre wird mit einem deutlichen Anstieg der Erdölpreise gerechnet. Umso wichtiger ist es, dass der Bevölkerung eine gute Alternative zum Auto zur Verfügung steht.

Ein Bahnanschluss hat für die regionale wirtschaftliche Entwicklung eine große Bedeutung. Die regionale Wertschöpfung wird durch die Schienenerreichbarkeit in größerem Ausmaß positiv beeinflusst als die Erreichbarkeit auf der Straße.  Wenn die Mühlkreisbahn eingestellt werden würde, wäre der Bezirk Rohrbach neben Güssing der einzige Bezirk Österreichs ohne Bahnanschluss. Das kann und darf nicht das Ziel sein.