Naturerfahrung und Lebendigkeit

"Wenn ich mit der önj unterwegs bin, dann darf ich auch schmutzig werden".

 

Die Schottergrube in St. Georgen/A. ist ein letztes Refugium für seltene und vom Aussterben bedrohte Amphibien. Bekannt ist sie für das Vorkommen von  Bergmolch, Teichmolch, Kamm-Molch und Laubfröschen.

Im Zuge der Errichtung der UMFAHRUNGSSTRASSE von St. Georgen/A. ist nun diese letzte zentrumsnahe "Wildnis" durch Zuschüttung massiv bedroht.  Die önj - Kinder machten sich vor Ort ein Bild von diesem bedrohten Paradies.

Die Kinder, die am 21. 5. 2005 dabei waren, haben aber die Schottergrube nicht nur als wertvolle Wildnis, sondern auch als Abenteuerplatz entdeckt. Genau das ist es, was mich bei den önj Veranstaltungen immer wieder fasziniert und Kraft gibt - es ist die Lebensfreude der Kinder.

Und wenn Kinder, die in unseren Systemen von Klein auf „funktionieren“ müssen und kaum mehr Räume zum Leben haben, einmal ohne Einschränkungen und Verbote nach Herzenslust spielen dürfen, entwickeln und entfalten sie fast grenzenlose Kreativität, Fantasie, Begeisterung, Originalität, Offenheit, Erfindergeist, Neugier, Interesse, Fleiß, Echtheit, Ästhetik, Hoffnung, Dankbarkeit – kurzum unmittelbare Lebendigkeit.

Daher müssen wir Erwachsenen besonders darauf achten, dass in unserer „modernen“ Welt nicht auch noch die letzten Lebensräume verloren gehen. Wo sollen unsere Kinder leben, wenn wir nur mehr Wirtschaftsräume kennen.

Aber keine Angst, das Leben in den Kindern wehrt sich – es will leben. Kinder sind dann vielleicht laut, unerhört oder auch hyperaktiv. Das ist zwar für Erwachsene vielleicht ziemlich anstrengend, aber das hieße immerhin, dass in diesen Kindern das Leben noch „am Leben“ ist.

In diesem Sinne unterstützt die önj die jungen Menschen in ihrer lebendigen Entfaltung und Persönlichkeitsentwicklung. Die „Kinder“ erfahren existentielles „Wohl-Sein“, Wissen, Hoffnung, die Fähigkeit einer positiven Zukunftsbezogenheit und ein Gefühl für den Lebenssinn.

Für mich ist es daher auch jedes Mal besonders schön, wenn Kinder sagen: "Wenn ich mit der önj unterwegs bin, dann darf ich auch schmutzig werden".

 

 

Markus Hagler