Wasservögel am Attersee
Wer vom Attersee spricht, denkt meist an Badevergnügen, Tauchen oder Segeln. Nur wenige wurden je auf die Möglichkeit des Vogelbeobachtens aufmerksam gemacht - ein Vergnügen ganz besonderer Art. Ein Vergnügen, das gerade dadurch zum genussvollen Vergnügen wird, weil scheinbar "wenig los" ist. Überall, wo aber scheinbar "wenig los" ist, tritt genau das zu Tage und wird für den Betrachter das sichtbar, was sonst im Lärm und hektischen Treiben unserer Aufmerksamkeit verloren geht.
So machten wir uns heute (24.1.2009) mit Ferngläsern und Fernrohr auf Beobachtungs- und Entdeckungsreise, um in aller Ruhe und Geduld Wasservögel am Attersee kennen zu lernen. Da wir uns auf diesem Gebiet eher zu den Anfängern zählen, führte und ein ortskundiger Ornithologe und langjähriger önj-Gruppenleiter (önj Schörfling), Herr Anton ERNST, in die Kunst des Vogelbeobachtens und Bestimmens ein.
Gleich zu Beginn segelten einige Kormorane über unsere Köpfe. Das sind die bekannten Feindbilder der Fischer, obwohl es diese am Attersee erst seit maximal 15 Jahren gibt. "ÖNJ-Kinder" lernen und verstehen bald, dass die Menschen gerne und leidenschaftlich "Feindbilder" brauchen und auch finden. Gut, für die Fischer sind das (nicht nur) die Kormorane. Bei uns in St. Georgen/A. wohnen die Feindbilder im Erstaufnahmezentrum. Das lernen (hören) schon die Kinder - von selbst kämen sie wohl nicht auf die Idee. Feindbilder hin oder her, wir stellten jedenfalls fest, dass es Menschen gibt, die es verlernt haben, sich über so schöne und elegante Tauchvögel wie Kormorane freuen zu können. Fischer freuen sich besonders über tote (gefangene) Fische - das ist aus unserer Sicht etwas unverständlich. Unverständlich auch deshalb, weil das für viele Erwachsene zu einem Freizeitvergnügen geworden ist. Önj-Kinder, die aber das Leben und das Lebendige suchen, fragen sich natürlich: Wie können sich Erwachsene über etwas Getötetes freuen?
Neben den bekannten Höckerschwänen und Blässhühnern bestaunten wir großartige Flugakrobaten, die vielen Lachmöwen. Auch sie sind recht gut vertreten, brüten aber am Inn. Blässhühner sind Allesfresser und brüten an der Ager. Sie zählen zu den Rallen(vögeln) und sind mit Enten, was viele nicht wissen, nicht verwandt.
Das markanteste Merkmal der Schwäne ist ihr Höcker am Schnabel. Sie sollten wie die anderen Wasservögel nicht gefüttert werden. Die Fütterung der Vögel hat zur Folge, dass viele Wasservögel Sommer und Winter am See bleiben, obwohl ein Schwäne-Beringungsprojekt der letzten Jahre zeigte, dass auch Atterseeschwäne in der Gegend herumfliegen und auf verschiedenen Seen in OÖ gesichtet wurden. Durch die Fütterung bleiben sie aber auch im Sommer da und so geraten gerade in der warmen Jahreszeit durch den Kot der Vögel viele Parasiten ins Wasser, die sich mit Vorliebe auf der Haut der Badegäste festsetzen und meist sehr unangenehme Hautauschläge hervorrufen. Also, keine Fütterung!!
Die wohl am weitest angereisten Schwäne am Attersee kamen aus Litauen.
Zu den Kostbarkeiten, die wir heute ausgiebig und ausdauernd beobachten konnten, zählten die wunderschönen Tafelenten - die einzige Ente unseres Gebietes mit einem kastanienbraunen Kopf und Hals.
Die Reiherenten sind ebenfalls Tauchenten und die Männchen sind leicht an ihrem Federschopf am Hinterkopf zu erkennen.
Eher auf dem freien Wasser entdeckten wir dann als Höhepunkt eine Gruppe von Schellenten mit ihren wunderschön gezeichneten Federn. Sie sind sehr ruhig, schweigsam und scheu. Auffällig ist ihr schwarzer Kopf mit grünem Glanz und das schräge, schwarzweiße zarte Streifenmuster ihrer Schulterfedern.
Am Ende waren wir wieder einmal sehr zufrieden und beeindruckt - und wie immer gab es am Ende "die önj-Frage": "Wann machen wir das wieder? Ich bin sicher wieder dabei!"
Markus Hagler

