Dürre Ager

Vorwort

In letzter Zeit wurde immer häufiger die Forderung nach naturnahen Fließgewässern laut. Da sehr viele dieser Flusssysteme in den vergangenen Jahrzehnten aus den verschiedensten Gründen begradigt und reguliert wurden, sind solche Flüsse bereits Mangelware.

 

Viele erkennen erst jetzt die wahre Qualität solcher naturbelassenen Gerinne und manche Gemeinden beginnen - meist mit ungeheurem finanziellen Aufwand – kanalisierte Fließstrecken rückzubauen und wieder weitgehend der Natur zu überlassen.

 

Es ist daher wichtig, noch intakte Flüsse zu erhalten und schützen. Nach Kartierung eines Teilabschnittes der Dürren Ager konnte aufgrund mehrerer Faktoren festgestellt werden, dass es sich bei diesem Gewässer um ein schützenswertes handelt. Zahlreiche wertvolle Strukturen (wie z.B. Schotterbänke, Höhlen, Tief- und Seichtwasserzonen,etc.) gewähren vielen Lebewesen Unterschlupf und garantieren besondere Artenvielfalt.

 

Details zur Gewässerfauna sind dem Kapitel „Makrozoobenthische Aufnahmen der Dürren Ager bei St. Georgen“ von Ao. Univ. Prof. Dr. Otto Moog zu entnehmen. Unterschiedliche Lebewesen sind auf bestimmte Wasserqualität angewiesen, deren Vorkommen lässt gemeinsam mit dem Saprobienindex Rückschlüsse auf eine Güteklasse schließen.

 

Detailansicht der Profile

Wichtige Faktoren und Elemente von Fließgewässern

  • Ufergehölze gewährleisten gute Beschattung, die v.a. bei Fließgewässern geringer Breite wie der Dürren Ager von hoher Bedeutung ist. Bei dichtem Kronenschluss kann bis zu 95% der einfallenden Strahlung abgeschirmt werden (10).
  • Beschattung bedeutet niedrigere Wassertemperaturen und somit höhere Sauerstoffsättigung des Wassers. Diese beiden Faktoren verringern in weiterer Folge Algenwachstum.
  • Unterspülte Uferbereiche mit dichter Durchwurzelung bieten aufgrund verminderter Strömungsverhältnisse und Unterschlupfmöglichkeiten ideale Lebensräume für viele Fischarten (10).
  • Außerdem dienen überragende Äste und unterspülte Bäume vielen Lebewesen Habitate (4).
  • Uferabbrüche bewirken den Eintrag von Substrat und Holz, an freigelegten Uferanrissen nistet z.B. der Eisvogel (2).
  • Natürliche Strukturierung der Kraut-, Strauch- und Baumschicht ist für die Lebensweise vieler adulter Insekten von enormer Wichtigkeit (Schutz für die Zeit der Flügelhärtung, Ansitz für Hochzeitsflug, Strukturen für Paarung und Eiablage, Rastplätze).
  • Auch Schotterbänke bieten Lebensraum und Schutz für zahlreiche Organismen (3).
  • Kurviger bzw. mäandrierender Verlauf des Flusses schafft Tief- und Seichtwasserzonen, die den jeweils angepassten Lebewesen Habitate bereitstellen (siehe Übersichtsplan sowie Tabelle der Breiten- und Tiefenvarianzen).
  • Variantenreiche Choriotope (Korngrößenfraktionen) ermöglichen Lebensraum für verschiedene wasserlebende Tiere. So finden grabende Organismen im Sand und feinen Kies bzw. andere unter Grobschotter oder Steinen Unterschlupf.

Arbeitsweise der Kartierung

  • Messung alle 10 Meter (in besonders abwechslungsreichen Abschnitten alle 5 Meter, in monotonen Bereichen alle 20-30 Meter)
  • Erfassung der Flussbreite sowie der Flusstiefe (abhängig von der Jahreszeit, Relativwerte sind aussagekräftig)
  • Erhebung des Substrates am Flussgrund (Schlamm, Sand, Kies, Steine, etc.)
  • Erstellung einer Tabelle aller Messpunkte
  • Errechnung der Breiten- und Tiefenvarianzen
  • Herausfiltern der interessantesten Profile
  • Illustration einiger Profilschnitte

 

Anhand der folgenden Profilschnitte soll auf die Strukturvielfalt der Dürren Ager hingewiesen werden. Wie bereits erwähnt, wurden hier die interessantesten zehn von insgesamt 154 Profilen ausgewählt, um einen kleinen Überblick davon zu bekommen, welchen Strukturreichtum dieser Fluss besitzt.