Das Schutzprojekt Hornisse

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In die Umsetzung eines Schutzprojektes für eine vielerorts bereits gefährdete Faltenwespenart - die Hornisse, investierte die Freiwillige Feuerwehr Neumarkt i.M. gemeinsam mit der Österreichischen Naturschutzjugend - Neumarkt i.M. in den letzten Jahren viel Zeit und Engagement. Für ihre Bemühungen wurde ihnen der Umweltschutzpreis des Landes OÖ 1998 durch Landeshauptmann Dr. Josef Pühringer und Umweltlandesrätin Ursula Haubner überreicht! Ziel des Schutzprojektes ist es, Hornissen, die sich an ungünstigen Stellen angesiedelt haben, schonend in geeignete Biotope zu übersiedeln. Selbstgefertigte großräumige Hornissenkästen dienen dafür als "Ersatzbehausungen".


Die Hornisse - Das größte Staatenbildende Insekt Europas

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Die Hornisse (Vespa crabro) gehört, gemeinsam mit den kleineren Wespenarten, zur Familie der Echten oder Falten-Wespen (Vespidae), die widerum - wie z.B. auch die Familie der Bienen - zu der großen Gruppe der Hautflügler (Hymenoptera) zählen. Die Hornisse ist die größte europäische Faltenwespe und das größte staatenbildende Insekt unserer heimischen Tierwelt überhaupt. Der Hornissenstaat mit einigen hundert Tieren ist wie alle Wespenstaaten einjährig. Im Spätherbst sterben die Arbeiterinnen und Männchen sowie die alte Königin. Nur die jungen, vollentwickelten und meist begatteten Weibchen überwintern an frostgeschützten Stellen, um dann im nächsten Frühjahr einen neuen Staat zu gründen. Nur zufällig und selten besiedeln sie die Nistplätze vom Vorjahr (das Belassen des alten Nestes verhindert oft die Wiederansiedelung am selben Punkt). Ihre Nester mit horizontal angeordneten Waben bauen die Hornissen aus zerkautem Holz, vergleichbar unserem "Papiermaschee", normalerweise in den Höhlen großer Bäume lichter Laubmischwälder. Leider sind diese natürlichen Nistmöglichkeiten schon so selten geworden, dass die Hornissen oft nahe menschlicher Siedlungsbereiche Scheunen, Dachböden, Gartenhütten, leere Bienenhäuser und selbst (für diese Nutzung viel zu kleine) Vogelnistkästen beziehen.


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Das einjährige Leben eines Hornissenvolkes erreicht mit 200 bis 600 Tieren seinen Höhepunkt im Spätsommer. Die imposante "Hornissenburg" ist dann oft bis zu 50 cm hoch. Man wird auf diese Tiere also meist kurz vor der natürlichen Auflösungsphase des Volkes aufmerksam. Die Hornissen ernähren sich selbst zwar von Nektar, Obst- und Pflanzensäften, ihre Nachkommen füttern sie jedoch mit lebend erbeuteten Insekten und deren Larven. Hierzu fangen sie auch große wehrhafte Insekten und erfüllen damit wichtige Regulationsaufgaben im Artengefüge der Natur.


Geschützt und doch verfolgt

In Deutschland genießt die Hornisse aufgrund ihres Gefährdungsgrades und ihrer "Nützlichkeit" besonderen Schutz durch die Bundesartenschutzverordnung. So ist die Hornisse bereits auf der Roten Liste der vom Aussterben bedrohten Tiere als gefährdete Art angeführt. In Oberästerreich gilt das O.ä. Naturschutzgesetz, demnach freilebende Tiere in allen ihren Entwicklungsformen nicht ohne besonderen Grund beunruhigt, verfolgt oder vernichtet werden dürfen. Weiters ist das Entfernen, Beschädigen oder Zerstören der Brutstätten dieser Tiere sowie das Beunruhigen, Zerstören oder Verändern ihres Lebensraumes verboten.

Die immer noch weiter vortschreitende Veränderung der natürlichen Lebensräume stellt für die Hornisse wohl die größte Bedrohung dar. Ebenso der rücksichtslose, oft aus falschen Vorurteilen resultierende Vernichtungswahn setzt den Hornissenpopulationen sicher stark zu.

Angriffslustig und gefährlich - oder doch nicht?

Mit etwas Verständnis und Rücksichtnahme ist es ohne weiteres möglich, Hornissenvölker auch im menschlichen Siedlungsbereich zu dulden. Fern vom Nestbereich ist die Hornisse ein sehr friedfertiges, niemals angriffslustiges Insekt, welches nur in äußersten Notsituationen Gebrauch von ihrem Stachel nimmt. Lediglich am Nest und auch dann nur bei unmittelbaren Stöhrungen versuchen die Hornissen sich und ihre Brut zu verteidigen. So können Hornissennester nach Absprache mit den aufgebrachten Hausbesitzern und den Bewohnern der Umgebung meist an ihrem ursprünglichen Standort belassen werden.

Ein Hornissenvolk zieht um

In manchen Fällen ist es aus bestimmten Gründen (Dacherneuerungen, ...) unumgänglich, Nester entfernen zu müssen. Dabei sollte keinesfalls zur Selbsthilfe mit Gift oder Feuer gegriffen werden! Entsprechend durchgeführte Umsiedelungen verlaufen so gut wie immer erfolgreich. Doch ist für solche Aktionen viel Wissen und Erfahrung im Umgang mit Hornissen nötig. Außerdem ist bei der Arbeit mit Hornissen eine ruhige, behutsame Arbeitsweise hilfreich, was einen doch größeren Zeitaufwand bedeutet. Als Umsiedelungskasten ist die Form des "Mündener Hornissenkastens" gebräuchlich. Gleich eines überdimensionierten Vogelnistkastens jedoch mit mehreren kleineren Einflugöffnungen sowie einem, nach unten teils offenen Bodenteil, bietet er genügend Raum für ein heranwachsendes Hornissenvolk.


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Bei den eigentlichen Umsiedelungsarbeiten wird das Hornissennest mittels zweier, in die "Wabengassen" (Zwischenraum zweier Wabenetagen) eingeschobenen Tragleisten vom alten Neststandort abgenommen und im bereitgestellten Umsiedelungskasten nahe der oberen Abdeckung gut befestigt. Noch vor diesen Arbeiten werden je nach Größe des zu umsiedelnden Nestes die Flughornissen entweder mit Hilfe eines speziellen "Abfangkastens" gesammelt oder mit einer leichten Zuckerlösung beruhigt.


Nach Befestigung des neu belebten Hornissenkastens am alten Neststandort, werden wieder alle Hornissen bei geöffneter Kastenfront zum Nest gelassen (BILD). Nach kurzer Aufregung akzeptieren die Hornissen rasch ihr neues Umfeld. Dann kann die Fronttüre geschlossen werden. Nach völliger Gewöhnung der Hornissen an ihre neue Behausung werden bei Dunkelheit (dann sind beinahe alle Hornissen im Nest) auch die Fluglöcher des Umsiedelungskastens geschlossen - zuvor muss zur Überbrückung dieser doch außergewöhnlichen Stresssituation noch Nahrung im Form von Futterteig im Inneren des Kastens angeboten werden. Nächsten Morgen wird dann das Hornissenvolk in ein geeignetes, dem bisherigen Neststandort nicht zu nahe gelegenes Biotop möglichst erschütterungsfrei verfrachtet und der Kasten in ausreichender Höhe an einem Baum angebracht (BILD). Die geöffneten, vorher mit perforiertem Zeitungspapier abgedeckten Einfluglöcher ermöglichen den Hornissen ein allmähliches "Durchbeißen" ans Tageslicht. So bleiben sie ruhig und nach wenigen Minuten stellt sich am Hornissennest wieder normaler Flugbetrieb ein - die Umsiedelung verlief erfolgreich! Auf diese Weise konnten die letzten beiden Jahre innerhalb des Gemeindegebietes von Neumarkt i.M. durch den Einsatz von Feuerwehr und Naturschutzjugend zahlreiche Hornissenvölker erfolgreich umgesiedelt und somit gerettet werden.


Literaturhinweise

  • "Schützt die Hornisse", Ripberger/Hutter, Weitbrechtverlag
  • "Hornissen" Informationsblatt Nr. 2113-961 der Deutschen Umwelthilfe: "Hornissen - Artenschutz statt Panik"
  • Informationsblatt der O.Ö. Umweltakademie: "Hornissen - zu Unrecht verfolgt"
  • Homepage des Bund Naturschutz in Bayern: "Die Hornisse - besser als ihr Ruf"
  • Homepage der Naturschutzbehörde des Landratsamtes Neuburg-Schrobenhausen/Deutschland: "Broschüre zu Hornissen"
  • * Homepage des Naturschutzbund Münster/Deutschland

 

Projektleiter Markus Barth, önj Neumarkt